Rittergut Zetteritz

Kurzinfo

Gelände des ehemaligen Rittergutes Zetteritz

1284 hatte Zetteritz unter Heinricus de Ceteros schon einen Herrensitz. Neben Wirtschafts- und Wohngebäude gehörten 1799 auch ein Jäger- und ein Backhaus zum Rittergut. Das villenartige Herrenhaus wurde 1948 im Zuge der Bodenreform abgerissen

Detailinformationen

Was uns die Archive erzählen … aus dem Informationsblatt der Gemeinde Erlau vom April 2015

Das verbotene Duell anno 1678

Hans Wilhelm von Milckau übernahm 1675 das Rittergut Gepülzig (heute zu Naundorf gehörig) von seinem Vater George Wilhelm. Am Pfingstwochenende des Jahres 1678 wurde er von Siegmund Heinrich von Schleinitz, welcher das nicht weit entfernte Rittergut Zetteritz bewohnte und mit einer Schwester Hans Wilhelms verheiratet war, gebeten, zu ihm nach Zetteritz zu kommen. Von Schleinitz hatte Gäste geladen und bat seinen Schwager, ihnen Gesellschaft zu leisten.

Es soll sich dabei zugetragen haben, dass Hans Wilhelm von Milckau, weil er viel getrunken hatte, die gesellige Runde verließ, in ein Nachbarzimmer ging und sich dort schlafen legen wollte. Jedoch folgte ihm dorthin einer der Gäste: Carl Dietrich von Carlowitz, Besitzer des Rittergutes Neutaubenheim (heute zu Döhlen bei Rochlitz) und provozierte den von Milckau bzw. behauptete, dass dieser absichtlich die Anderen miede. Es kam zum Streit und zu Handgreiflichkeiten. Schließlich forderte von Carlowitz sein Gegenüber – zur Wiederherstellung der eigenen Ehre – zum Duell heraus. Sie verabredeten sich für den folgenden Morgen auf einem abgelegenen Platz zwischen Groß- und Kleinstädten und duellierten sich in drei Durchgängen mit Degen und Schwert. Danach reichten sich beide die Hand und gingen unverletzt ihrer Wege.

Da das Duellieren jedoch seit dem Erlass des Mandates des Kurfürsten Johann Georgs II. vom 5. Oktober 1670 verboten war, wurden die Beteiligten angezeigt und im November 1678 eine Untersuchung angeordnet. Ein Zeuge wurde ausfindig gemacht, der das Duell beobachtet hatte und nun bestätigte. Im Mai 1679 wurden die Duellanten nach Leipzig vorgeladen, ließen sich jedoch für den Termin entschuldigen. Zuvor hatten Sie bereits beim Kurfürsten um Erlass der drohenden Strafe gebeten. Sie begründeten diese Bitte zum einen damit, dass bei dem Duell niemand verletzt wurde, zumal beide in verwandtschaftlicher Beziehung zueinander standen. Die Männer waren mit Schwestern aus dem Adelsgeschlecht von Taubenheim verheiratet. Sie versicherten auch, dass ihnen das Verbot bis dahin nicht bekannt gewesen sei, da sie sich lange Zeit zum Kriegsdienst im Ausland befunden hätten.

Carl Dietrich von Carlowitz schilderte nun dem Kurfürsten seine schwierige wirtschaftliche Situation als Rittergutsbesitzer. Zudem hatten beide Adelige bereits freiwillig je 150 Taler gezahlt, um damit ihre Reue zu bekunden. Daraufhin stellte der Kurfürst in Aussicht, nach Zahlung von weiteren 100 Talern, das Verfahren einzustellen. Die Untersuchungskommission legte im Januar 1680 dagegen Einspruch ein. Das entsprechende Mandat sei öffentlich bekannt gemacht worden. Zudem würde eine Begnadigung vermutlich dazu führen, dass es Nacheiferer geben könnte.

Über den Abschluss der Untersuchung ist leider nichts bekannt. Vielleicht gab es für die Ritter ein „Happy End“…

Duell zweier Ritter

Rittergutsbesitzer Zetteritz (soweit bekannt)

  • 1284 Heinricus de Certeros
  • 1486 Jan von Eckersberg
  • 1506 Georg Paul von Eckersberg
  • 1548 Hans von Eckersberg
  • 1555 Oswald von Eckersberg
  • 1560 Hans von Maltitz
  • 1587 Friedrich von Lüttichau
  • bis 1601 Rudolf Stange
  • bis 1622 Wolf Albrecht Stange
  • 1626 John (Johann) Wilhelm von Taubenheim
  • 1638 Christian Wilhelm von Schleinitz
  • 1667 Sigismund Wilhelm von Schleinitz
  • 1783 Friedrich Wilhelm von Schleinitz
  • 1789 Christian Leopold von Heldreich
  • 1798 August Christian Zimmermann
  • 1822 Johann Friedrich August Zimmermann
  • 1890 Karl Oskar Müller
  • 1903 Ernst Haberkorn (1945 enteignet)
Rittergut Zetteritz und Umgebung 1799
Rittergut Zetteritz um 1860
Grabstein des Zetteritzer Rittergutsbesitzers Rudolf Stange von 1601 in der Seelitzer Kirche
Foto des alten Herrenhauses auf dem Rittergut Zetteritz um 1900 (1903 abgerissen)
RG Zetteritz um 1900
1903 erbautes Herrenhaus
Rittergut Zetteritz (AK-Ausschnitt) um 1915
Wirtschaftsgebäude Rittergut Zetteritz
historische AK Zetteritz
historische AK Zetteritz

Quellen

Rittergutsbesitzer von Zetteritz: Gemeindearchiv Seelitz

Bilder vom Rittergut Zetteritz um 1900: Gemeindearchiv Seelitz, 1992 überlassen von Heinz Schuhknecht aus St. Augustin, Enkel des ehemaligen Zetteritzer Rittergutsbesitzers und Kaufmanns Karl Oskar Müller

Ansichtskarten Rittergut Zetteritz: Heimatverein Milkau e.V.

Rittergut Zetteritz um 1860: aus „Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen“ Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke, Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins Leipzig, 1854–1861

Karte vom Rittergut Zetteritz und seiner Umgebung 1799 (Ausschnitt aus Sächsischem Meilenblatt (Berliner Exemplar) Blatt Nr. 121 Aufn.-Nr. df dk 0002121 SLUB Dresden, Deutsche Fotothek))

Textquelle: StA Dresden, Bestand 10024 Geheimer Rat (Geheimes Archiv), Loc. 9661/2 „Commission Acta Carl Dietrich von Carlowiz auf Neutaubenheim u. Hans Wilhelm von Milckau auf Gepülzig i. p. verbotenen Duellierens, Ergangen ins Ambte Leipzig vom 3. Jan. 1679“

Bildquelle: Kaiser Maximilian I. „Theuerdank 1517“, aus der Reihe „Die bibliophilen Taschenbücher“, Harrenberg Kommunikation, Dortmund 1979