Der Mordstein von Schweikershain

Kurzinfo

zum Schild und Schildtext

Detailinformationen

Im Buch „Vom Blitz erschlagen – Ermordet – Verunglückt, Geschichten um vergessene Denkmale“ von Joachim Seyffarth (ISBN 3-931770-06-0) findet sich die Geschichte von einem Mord, der im Jahr 1878 in diesem Bereich geschehen ist.

Diesbezügliche Details finden sich auch in der damaligen lokalen und überregionalen Presse:

Elbeblatt und Anzeiger

25. April 1878

Schweikershain, am Abend des 22. April a.c. zwischen 9 und 10 Uhr ist auf dem Kommunikationswege, ungefähr 30 Schritte von Gasthof, Kirche und Schule etc. entfernt, die bei ihrer kranken Mutter in Geringswalde gewesene und in Mittweida dienende 23jährige Marie Zerge (Zerche) überfallen, mit einem in der Nähe liegenden Handbeil geschlagen und ihr außerdem mehrere Stichwunden beigebracht worden. Die Getödtete ist sodann in das nebenstehende Birkenwäldchen geschleppt worden. Den Lohn für ein Vierteljahr Dienst hatte sie in einem Portemonnaie bei sich geführt und fehlte dasselbe bei ihrer Auffindung. Der Thäter ist noch nicht ermittelt, es sind jedoch bereits umfassende Erörterungen ins Werk gesetzt worden.

27. April 1878

Geringswalde, 23. April. Gestern in der 10. Abendstunde wurde ein Dienstmädchen aus Altgeringswalde, welches beauftragt war, die Töchter ihrer Herrschaft von dem nahen Rittergute Klostergeringswalde abzuholen, von einem unbekannten Manne in wahrscheinlich räuberischer Absicht angefallen und zu Boden geworfen. Das Mädchen hatte dennoch den Muth, sich dem Verbrecher zu widersetzen und gelang es ihr, sich durch Hülferufe und Flucht zu retten. Es ist möglich, daß dieser Anfall von derselben Person ausgeführt ist, welche den Mord bei Schweikershain verübt hat.

30. April 1878

Hinsichtlich des in Schweikershain verübten Mordes wird noch mitgetheilt, daß am 24. April ein der That verdächtiges, bereits früher mit Zuchthaus bestraftes Individuum verhaftet worden ist. Als Grund der That bezeichnet man in Familienverhältnissen persönliche Rache.

Mittweidaer Wochenblatt

Ausgabe vom 25.4.1878

Am 23. d. früh wurde im Dorfe Schweikershain, ungefähr 20 Schritt seitwärts vom Dorfwege im Gehölz, das Dienstmädchen Marie Zerche, 24 Jahr alt, aus Geringswalde, zuletzt im Dienst beim Restaur. Kögel in Mittweida, ermordet aufgefunden. Das Mädchen ist, vom Besuch ihrer Mutter, von Geringswalde nach der Haltestelle Schweikershain begriffen gewesen, ist an genannter Stelle abgelauert und mit einem Beile erschlagen und in das Gehölz geschleppt worden.

Ausgabe vom 27.4.1878

Geringswalde, 23. April. Gestern in der 10. Abendstunde wurde ein Dienstmädchen aus Altgeringswalde, welches beauftragt war, die Töchter ihrer Herrschaft von dem nahen Rittergute Klostergeringswalde abzuholen, von einem unbekannten Manne in wahrscheinlich räuberischer Absicht angefallen und zu Boden geworfen. Das Mädchen hatte dennoch den Muth, sich dem Verbrecher zu widersetzen und gelang es ihr, sich durch Hülferufe und Flucht zu retten. Es ist möglich, daß dieser Anfall von derselben Person ausgeführt ist, welche den Mord bei Schweikershain verübt hat.

Ausgabe vom 30.4.1878

Amtlicher Theil. Mord.

Am 23. April dieses Jahres früh gegen 5 Uhr ist in einem Gehölze in Schweikershain die 25 Jahre alte Dienstmagd Marie Zerche von hier ermordet aufgefunden worden.

Nach dem Sectionsbefunde sind die den Tod herbeiführenden Kopfwunden und Schädelbrüche der Zerche unter Anwendung eines eiserenen Instrumentes zugefügt, es ist auch in der Nähe der Mordstelle ein altes eisernes Beil, dessen Eigenthümer noch nicht zu ermitteln gewesen ist, aufgefunden worden.

Die Zerche, welche sich während der Osterfeiertage bei ihrer Mutter in Geringswalde aufgehalten hat, soll am 2. Osterfeiertag Abends gegen 8 Uhr von dort weggegangen sein, um von der Haltestelle Schweikershain mit dem letzten Eisenbahnzuge nach hier zurückzukehren, ist aber wahrscheinlich Abends in der 10. Stunde in geringer Entfernung von dem Schweikershainer Gasthof auf der Straße selbst angefallen, erschlagen und alsdann in ein benachbartes Gehölz geschleppt worden.

Sowohl an die Behörden und Gendarmerie, als an das Publikum überhaupt, richte ich das dringende Ersuchen, zur Entdeckung des oder der Thäter thunlichst mitzuwirken und jeden irgend sachdienlichen Umstand mir schleunigst mitzutheilen.

Mittweida, den 26. April 1878 Der Königliche Staatsanwalt Stein.

Quellen:

SLUB Dresden, Elbeblatt und Anzeiger, Amtsblatt der königl. Amtshauptmannschaft Großenhain vom 25., 27. und 30.4.1878

Mittweidaer Wochenblatt (Stadtarchiv Mittweida)

Umgebung des Tatorts auf einer alten Ansichtskarte
Kartenauszug von1913 mit dem Mordstein (Quelle: Messtischblätter Section Geringswalde Blatt 61, SLUB Aufnahme-Nr. df_dk_0000292, Deutsche Fotothek)
historische Aufnahme des Restaurants Kögel, Arbeitsstelle von Maria Zerche (Mittweida neben Technikumsplatz)
heutige Umgebung des Steines
heutiger Zustand